DGT-ITB Wissenschaftspreis 2018

Zum 24. Mal wurde am Eröffnungstag der ITB in Berlin traditionell der DGT-ITB Wissenschaftspreis verliehen. Die hochrangig besetzte Jury von Professoren und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bewerten insgesamt 26 eingereichte Arbeiten und vergaben Preise in vier Kategorien: Beste Dissertation, beste Nachwuchsarbeit, beste Arbeit im Bereich eTourism und beste Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit. Durch das doppelt-blinde Begutachtungsverfahren, an dem mehr als 60 DGT-Mitglieder mitgewirkt haben, konnten vier hervorragende Abschlussarbeiten des Jahrgangs 2016/17 mit touristischer Themenstellung ausgezeichnet werden. Unterstützt wird der Preis durch namhafte Sponsoren wie Amadeus, Studiosus, Joska Kristall und der DGT.

Die Verleihung des Wissenschaftspreises der DGT erfolgte im Rahmen des DGT@ITB Tourism Education Day am Mittwoch, den 7. März 2018 auf der ITB Berlin.


 

Preisträgerinnen/er des DGT-ITB Wissenschaftspreis 2018

(Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft e.V. zusammen mit diesjährigen Preisträgern/innen)


 

 

Kategorie: Beste Dissertation

Thiele Franziska

Dissertation, Universität Trier

Die Erfassung von touristischen Erfahrungen in Blogs

In der Dissertation werden Weblogs als Datenquelle für die Untersuchung der wahrgenommenen Erlebensqualität im Wandertourismus eingesetzt. Das Potenzial der Nutzung von Weblogs im Tourismus wird am spezifischen Beispiel von Wandererfahrungen erschlossen und ausgewählte Blogbeiträge im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes qualitativ und quantitativ untersucht. Im Mittelpunkt steht die Ausdifferenzierung des Wandererlebens in Erlebensformen, die den Bezugsrahmen der Interaktion des Wanderers mit seiner Umgebung bestimmen. In der empirischen Untersuchung werden ausgewählte Blogbeiträge einer inhaltlich strukturierenden, einer skalierenden und einer typenbildenden Inhaltsanalyse unterzogen. Die Auswertung zeigt neben der Charakterisierung des Wandererlebens, regionsspezifische Unterschiede des Erlebens sowie das Zusammenwirken von einzelnen Erlebensformen in den Blogbeiträgen auf. Auch wenn die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung lediglich für die spezifische Gruppe der Wanderblogger gelten, so öffnet die Nutzung von Weblogs den Blick für ein ganzheitliches Verständnis der Gestaltung von Erlebensqualität im Wandertourismus.

 

 

Beste Nachwuchsarbeit

Braun Jannis

Masterarbeit, MCI Management Center Innsbruck

Markenidentität als Basis der Markenführung alpiner Destinationen

Ziel dieser Arbeit war es zu erforschen, inwiefern eine identitätsbasierte Markenführung in alpinen Destinationen praktikabel ist bzw. ob für industrielle Produktmarken entwickelte Ansätze zur Erfassung der Markenidentität auf Destinationsmarken übertragbar sind.
Zu diesem Zweck wurden mit Markenverantwortlichen alpiner Destinationen qualitative Interviews geführt. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass das Konzept der Markenidentität in alpinen Destinationen praxistauglich, jedoch komplexer als im Kontext industrieller Produktmarken ist. Die zentrale Herausforderung stellt die Umsetzung der Markenidentität und ihrem Nutzenversprechen innerhalb des vielschichtigen Leistungsbündels der Destination dar. Diese Aufgabe wird durch die Interessenpluralität im Stakeholder-Netzwerk und das fehlende Durchgriffsrecht der DMO auf die Leistungserstellung erschwert. Die Einbeziehung der Stakeholder und einer externen Agentur, die Harmonie zwischen Marken- und Destinationsidentität und die Balance zwischen einer flexibel und stabil ausgestalteten Markenidentität gelten bei der Anwendung als Erfolgsfaktoren.
Die Studie resultierte in einer Modifizierung der klassischen Ansätze zu einem Modell, das die Besonderheiten des Destinationskonstrukts beachtet.

Beste Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit

Rupp Simon

Diplomarbeit, Universität Innsbruck

Motive für Nachhaltigkeit in Familienunternehmen

Generell wird angenommen, dass Familienunternehmen nachhaltiger sind als andere
Unternehmensformen. Die Theorie des Socioemotional Wealth besagt, dass sozioemotionale
Überlegungen in Familienunternehmen als primärer Referenzpunkt gelten, um eine positive
Familien- und Unternehmensreputation zu bewahren. Um dieses besondere Verhalten besser
zu verstehen, befasst sich die Diplomarbeit mit den Motiven, die zur Umsetzung von
Nachhaltigkeit in Familienunternehmen führen.
Hierfür wurde ein Discrete-Choice-Experiment mit 153 Teilnehmern aus Westösterreich, die
im Tourismussektor und im Bereich der natürlichen Ressourcen tätig sind, durchgeführt.
Mittels dessen konnten Entscheidungspräferenzen in Bezug auf soziale, ökologische und
ökonomische Aspekte systematisch analysiert werden. Es stellte sich heraus, dass das Attribut
„Einhaltung der gesetzlichen Regelungen“ für das Sample am wichtigsten ist, gefolgt von
„Zufriedenheit der Steakholder“, „Auswirkungen auf das Ökosystem“ sowie „Arbeitsplätze“.
Am wenigsten wichtig für die Befragten ist das Attribut „Erwartete Finanzerträge“. Im
Entscheidungsprozess dominieren daher eindeutig nicht-finanzielle Motive gegenüber den
finanziellen. Die Ergebnisse bestätigen die Theorie des Socioemotional wealth sowie die
Anwendbarkeit eines Discrete-Choice-Experiments in diesem Forschungskontext.

 

 

 

Beste Arbeit zum Thema eTourismus

Epple Kristina

Bachelorarbeit, Hochschule Heilbronn

Mobile Applikationen im Luftverkehr

Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine Analyse von fünf mobilen Applikationen, angeboten durch die Fluggesellschaften Air Berlin, easyJet, Eurowings, Lufthansa und Ryanair. Das zentrale Ziel der Bachelorthesis ist die Aufdeckung von Stärken, Schwächen und Entwicklungspotenzialen der ausgewählten Airline-Apps auf dem deutschen Markt. Im Zuge dessen wird ein Ranking der Applikationen erstellt. In das Benchmarking wird – neben den fünf Airline-Apps – auch der DB Navigator der Deutschen Bahn einbezogen. Der Vergleich mit einer branchenfremden Applikation dient zur Aufdeckung weiterer Leistungslücken und Verbesserungspotenziale. Das Benchmarking verdeutlicht, dass insbesondere im Bereich der Funktionen größere Unterschiede zwischen den analysierten Apps bestehen. Drei der fünf Airlines sollten die Ausstattung ihrer Applikationen erheblich verbessern. Die maximale Punktzahl erreicht keine der Airline-Apps.

Sekundäre Ziele der Arbeit sind die Identifikation von Faktoren und Trends, welche auf die zukünftige Entwicklung der Airline-Apps Einfluss nehmen. Denn Innovation und Weiterentwicklung sind im Bereich der Airline-Apps essentiell, für gute Performance und zufriedene NutzerInnen.